Der Film wird exklusiv über das Beatles Museum vertrieben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auszug aus dem Kapitel Run For Your Life aus dem Buch Komm Gib Mir Deine Hand – Die Beatles In Deutschland 1960 – 1970 von Thorsten Knublauch und Axel Korinth mit Michael Müller

Link zum Buch Komm, Gib mir Deine Hand - Die Beatles in Deutschland 1960-1970 hier

Im Rahmen der 100 Jahre-Reihe im ZDF über das Jahr 1965 wurden die Fans mit Farbaufnahmen der Beatles in München überrascht, die die Polizei zu Studienzwecken gedreht hatte. Diese Folge hatte am 21. November 1999 Premiere. Im Gegensatz zu dem offiziell veröffentlichten Polizeifilm von Hamburg ist der Münchner Film in Farbe gedreht worden, aber leider ohne Ton! Es handelt sich hier also um die einzigen „richtigen“ Farbaufnahmen zur Tour!

Der Film wurde von einer Abteilung der Direktion der Schutzpolizei der Münchner Polizei auf 16 mm mit einer „Arriflex 16“-Kamera der Münchner Fa. Arnold & Richter gedreht. Die Kamera entsprach dem höchsten Standard der damaligen Zeit, wie uns einer der Kameraleute, Kurt Gstattenbauer, verriet. Ziel des Filmes war es zum einen, einen Lehrfilm für die erwartete Krawallbekämpfung zu drehen, aber auch um strafrechtlich verwertbares Filmmaterial zu bekommen, mit dem man die Unruhstifter dingfest machen konnte. Seit den sog. „Schwabinger Krawallen“ 1962, in denen kleine Unruhen in Schwabinger Kneipen innerhalb von einer guten Woche zu Straßenschlachten ausuferten, war man, wie eine Wochenschau beschrieb „auf alles gefasst“ und man ging davon aus, dass es tatsächlich in Randalen enden würde. Nichts ist dergleichen, ganz im Gegensatz zu Hamburg, passiert. Der Film wurde mit Kodachrome Farbfilmen in 21 und 27 Din Material gedreht. Die beiden Kameraleute POM Gstattenbauer und PM Vogtmann wurden speziell bei der Herstellerfirma einige Tage auf dieser Kamera geschult. Für ihre Arbeit standen den beiden Polizisten 30 Meter-Spulen und 120 m-Cassetten zur Verfügung. Letztere werden über einen extra Motor oberhalb der Kamera geführt. Für den fertigen Film gab es später so gut wie keine Schnittarbeit – es wurde, sparsam, wie die Beamten damals noch waren, auch nur das gefilmt, was Verwendung finden könnte und blieb auch so chronologisch auf dem Lehrfilm.

 Der erste Film dieser Art wurde im übrigen – mit anderem Equipment aber ebenfalls von Gstattenbauer – beim Staatsbesuch der Queen Elisabeth 1965 gedreht, der sie vom 18. - 28. Mai 1965 durch Deutschland und auch nach München führte. Dieser Staatsbesuch kostete 500.000 DM und war der bis dahin teuerste in der Geschichte der Bundesrepublik. Er sollte dazu beitragen, die Beziehung zwischen beiden Ländern zu verbessern. Der von der Queen dazu genutzte Sonderzug spielte bei den Beatles ja eine nicht unerhebliche Rolle.

Der Münchner-Polizei-Film ist in 13 Szenen aufgeteilt, die durch kurze Texttafeln eingeleitet werden. Er beginnt mit der Lagebesprechung mit dem Polizeipräsidenten, dem Einsatzleiter und dem Polizeipsychologen (die drei sitzen an einem Tisch). Danach folgt eine Sitzung des Einsatzstabes bei der Ausarbeitung der Einsatzanordung und Besprechung mit den örtlichen Einsatzleitern, sowie das Diktat (die Schreibmaschine wird abgefilmt – das ist high tech!) der Einsatzanordung Nr. 66. In den nächsten beiden Szenen werden der Aufbau der Absperrgitter am Flughafen Riem und die Anfahrt, Aufstellung und Einweisung der Polizeikräfte (im Marschschritt) gezeigt. Nun folgt die Landung des Flugzeuges mit den Beatles, die ersten Interviews direkt an der Flugzeugtreppe unter strahlend blauem Himmel und die Autofahrt mit weißen Mercedeskorso zum Hotel vorbei an mit roten Bravo-Fähnchen winkenden Fans. In den nächsten beiden Szenen wird die Situation vor dem Hotel gezeigt. Es ist ein richtiger Menschenauflauf entstanden mit auch bedrängenden Situationen. Die Fans drückten zum Eingang, da das Gerücht aufgetaucht ist, dass die Beatles schon drinnen seien. Man sieht die bekannte Szene mit dem hochgehaltenen Hi-Hi Hilfe-Filmplakat. Die Fans stehen auf den Dächern und den Balkonen und man meint, die Szenerie zu erkennen, die in den Bravo-Heften gezeigt werden, wo sich die Beatles am Fenster zeigen, da großer Jubel und Gewinke in Richtung „nach oben“ ausbricht.

Nun folgen in den folgenden 4 Szenen der Straßenzug vor dem Zirkus Krone Bau vor der Veranstaltung, die Absperrmaßnahmen vor der Halle (die mit Blitztourplakaten geschmückten Wände), die im Hof stehenden Einsatzkräfte, Gefangenenwagen (!) und Wasserwerfer und das Aufstellen eines Beleuchtungsanhängers für evtl. Störungen (der Film zeigt wie er auf und ab gefahren wird und das Licht geprüft wird)!

In der vorletzten Szene kommen wir zum Höhepunkt. Der Auftritt der Beatles in ca. 3 Minuten. Es handelt sich hier wahrscheinlich um das Abendkonzert, da im ZDF- Mitschnitt die Kameramänner der Polizei in ihren weißen Hemden vorne rechts an den Lautsprechern mit der Kamera zu sehen sind. Es wird das Betreten der Bühne gezeigt und kurze Ausschnitte in absoluter Nahaufnahme aus folgenden Songs (100 %-ig möchten wir uns darauf jedoch nicht festlegen, ist aber im Vergleich mit anderen Aufnahmen zu erahnen): Rock`n Roll Music, She`s A Woman, If I Needed someone (George mit 12-String-Rickenbacker), Day Tripper (George mit Gibson SG Gitarre, wie im Paperback Writer-Clip). Dann noch kurz noch Yesterday in der Rückenansicht und der Abgang von der Bühne! Dazwischen geschnitten sieht man jubelnde Fans und einen kurzer Blick aus der Totalen. Als letzte Szene folgt die Ankunft mit den weißen Limousinen am Bahnhof und die Abfahrt mit dem Sonderzug am nächsten Morgen um 8:25 Uhr. Im Gegensatz zu Hamburg wurden hier Absperrungen auf dem Vorplatz aufgestellt.

Der Film ist ähnlich aufgebaut, wie der Hamburger Polizei-Film, wirkt aber durch seine „Heimatfilm“-farbigen Bilder im Handkamerastil natürlich nachhaltiger. Da es hier nur darum ging, die Reaktionen auf ein Massenphänomen zu dokumentieren, sind die Aufnahmen von den Beatles natürlich nicht der Hauptanteil des Films und, aus den Augen der Polizei gesehen, unwichtig. Etwas längere Ausschnitte und Interviews mit Zeitzeugen wurden ebenfalls im ZDF im Rahmen der History-Reihe am 11. Februar 2001 gezeigt. Die dort enthaltenen Tondokumente stammen aus dem Archiv von Thorsten Knublauch, der ebenfalls seinen Artikel aus dem Fanzine A Ticket To Write zur Verfügung gestellt hatte! Die Münchner und Hamburger Kollegen der Polizei hatten sich übrigens weder im Vorfeld noch im Nachhinein über die Vorfälle oder ihre Filme ausgetauscht, so dass auch die Filme in den anderen Dienststellen nicht bekannt waren – das wäre zu Zeiten ohne Vernetzung und der Tatsache, dass die Münchner Polizei noch Stadt- und nicht Landes-bzw. Staatspolizei war, auch zu viel verlangt.